Start

Leitspruch

Die Tiere

Patenschaften

Hilfe in Notsituationen

Zur Vermittlung

Satzung

Kontakt


MERLIN

Im Mai 2012 kam Merlin zu uns. Ursprünglich war ich auf der Suche nach einem nervenstarken Pony für meine Arbeit mit Kindern und Pferden, da las ich von Merlin, der damals noch Dancer hieß. Angeblich war er gesund, ruhig, nervenstark, elf Jahre alt, ein Deutsches Reitpony und 100% verlässlich. Ich dachte, das könnte gut passen.
Als ich in seinem ehemaligen Zuhause ankam, stand er im Garten hinter dem Haus. Man versicherte mir, dass er ein ganz Lieber sei und man ihn abgeben wollte, weil die Tochter nun ein Großpferd bekommen hatte. Die anderen drei Pferde der Familie, zwei Warmblutmixstuten und ein Fohlen standen auf einer großen Weide hinter dem Haus. Kaum näherte Merlin sich dem Zaun schossen alle drei mit gebleckten Zähnen und angelegten Ohren auf ihn zu. Er gehört nicht dazu, wurde ausgegrenzt.
Dass er sich die Mähne ziemlich stark an den Bäumen scheuerte sei neu, und die aufgeriebene Bauchnaht hatte noch niemand zuvor bemerkt. Merlin hat einen sehr hohen, ungünstigen Widerrist, was aber nicht der Grund dafür sein konnte, dass sein Trapezmuskel nicht mehr vorhanden zu sein schien. Abgequetscht, zerstört durch falsches Sattelzeug!
Der Sattel wurde gebracht und aufgelegt. Merlin biss im wahrsten Sinne des Worte die Zähne zusammen, wurde vor Anspannung steif wie ein Brett, nahm die Ohren zurück, blieb aber wie angewurzelt stehen. Ich sagte, dass er ja offensichtlich Schmerzen hätte, als Antwort kam nur etwas wie: "Er macht das schon, das hält er aus." Ähnlich war es, als die Besitzer ihm das Gebiss ins Maul schoben und den Nasenriemen schlossen. Als er dann antrat, ging er steif und sehr fühlig. Auch davon wollten die Besitzer nichts wissen. Sie priesen an, dass er nicht einmal zuckt, wenn LKW`s an der Bundesstraße an ihm vorbei donnern. Nein, natürlich nicht! Dieses Pferdchen war mehr tot als lebendig, seelisch abgestumpft und schwebte quasi über seinem eigenen Körper!
Es war schnell klar, das Merlin ganz sicher nicht in der Lage war, Kindern den natürlichen Umgang mit dem Pferd und das bewusste Reiten beizubringen. Ich fuhr traurig nach Hause, doch Merlin ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich telefonierte noch einmal mit den Besitzern und versuchte sie erneut auf seine Lage aufmerksam zu machen. Sie meinten nur, es wären mehrere Interessenten da gewesen, allesamt ängstliche Reiter, und die wären begeistert von seiner ruhigen, verlässlichen Art gewesen und würden ihn kaufen, wenn ich ihn nicht nähme.
Ich nahm ihn. Zu verantworten, dass das Grauen für ihn weiter ging, erschien mir schwieriger, als den Kauf vor anderen zu rechtfertigen, obwohl auch das nicht einfach war.
So zog Merlin bei uns ein.
Die Zahnärztin machte seine Zähne, die erstaunlich gut waren. Die Ostheopatin kam, untersuchte und behandelte ihn, er bekam Akupunktur, wir pflegten sein Sommerekzem und entgifteten ihn über Wochen mit ausgesuchten Kräutern.

Es war wie verhext und es schien so, als könne er sich jetzt endlich erlauben krank zu sein. Sämtliche Symptome wurden immer schlimmer, er sah aus wie ein Flickenteppich, hatte offene Wunden, konnte sich zeitweise kaum auf den Beinen halten und sich nur mit Hilfe des Zaunes daran entlang bewegen. Auch sein seelischer Zustand besserte sich keineswegs.
Er wurde von der Herde gut aufgenommen, benahm sich allerdings manchmal aus heiterem Himmel furchtbar arrogant und versuchte ranghöhere Tiere herumzuscheuchen, dass er dann von den anderen nur mit massiven Körpereinsatz davon abgebracht werden konnte. Das sorgte natürlich zusätzlich für Verletzungen und uns schien es, als würde er diese wirklich provozieren. Er ging sehr schlecht mit sich selbst um und wirkte immer noch traurig und nicht bei sich. Hinzu kam dann eine sehr starke Pollenallergie mit krampfartigen, asthmatischen Hustenanfällen. Natürlich wurde er tierärztlich versorgt, doch dies brachte immer nur Linderung, aber keine Lösung. Alle Menschen, die auf unseren Hof kamen, sagten sofort etwas wie: "Der Arme, der ist aber schon sehr alt, nicht wahr?"

Nach einem Jahr mit schon einigen ganz guten Zeiten, aber auch genauso vielen schlechten Momenten für Merlin half ihm die Heilpraktikerin Claudia Warnecke aus vielen seiner Muster. Nach weiteren Monaten und schlimmsten Hauterscheinungen (Sie sagte: "Das macht nichts. Es muss raus, von innen nach außen") ging es ihm nun endlich besser! Der Bewegungsapparat war weitestgehend in Ordnung, er konnte in allen Gangarten flüssig laufen und wir konnten beginnen, seine Muskeln aufzubauen. Von den anderen Pferden fühlte und fühlt er sich auch heute noch immer irgendwie abgeschlossen. Es gibt nur kleine Momente der Offenheit und der Freundschaftsbekundung.
Das Sommerekzem ist viel besser und inzwischen ist seine Mähne gut zwanzig cm lang und wir müssen im Sommer nur noch kleine Stellen an Schweif und Mähne versorgen.
Sein Trapezmuskel ist zerstört, da können wir auch mit einem guten Muskeltraining nichts dran ändern, aber sein Allgemeinzustand ist inzwischen meist gut. In den Sommermonaten, wenn seine Allergie sich verabschiedet hat, wird er zwei bis drei mal die Woche von kleinen Mädchen geputzt und auch mit einem Barefoot Physiopad unter Anleitung gebisslos geritten.
Merlin ist ein Pferd, welches viel positive Motivation braucht. Er braucht es, dass man an ihn glaubt, dass man ihm Mut und Hoffnung gibt, dann kann er ein stolzes, sich sehr schön bewegendes Pferd sein; ohne dies würde er sich immer wieder aufgeben und innerlich verkümmern.
Die Pollenallergie von Mitte April bis Ende Juni besteht noch, und oftmals müssen wir ihn über unsere Tierärztin Gunda Kropp-Philipp mit Medikamenten versorgen lassen. Leider hat er in diesem Herbst trotz Heulagefütterung eine "Heuallergie" entwickelt . Wir testen verschiedenes Futter und sind mit der Heilpraktikerin und der Tierärztin dabei, ihm da wieder heraus zu helfen. Uns ist sehr klar, dass Merlin nie "richtig" gesund sein wird und dass es immer wieder neue kleinere und größere "Baustellen" in seinem Leben geben wird. Merlin ist daher auch nicht vermittelbar. Wir würden uns sehr freuen, wenn sich Menschen finden, die für ihn eine Patenschaft übernehmen, da die monatlichen Kosten für seine Versorgung besonders hoch sind. Merlin freut sich natürlich auch über Besuch und regelmäßige, zusätzliche Zuwendung.

weiter